Das Hafenstädtchen L’Île-Rousse verdankt seinen Namen der vorgelagerten 
Île de la Pietra, deren Porphyrfelsen im Sonnenlicht rot leuchten.
Das Hafenstädtchen L’Île-Rousse verdankt seinen Namen der vorgelagerten Île de la Pietra, deren Porphyrfelsen im Sonnenlicht rot leuchten. (Adobe Stock)
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Wandern entlang des Blütenteppichs

Korsika ist ein beliebtes Ziel für Strandferien. Doch die Insel, ein eigentliches Gebirge im Mittelmeer, ist auch ein Wanderparadies sondergleichen mit ganz einfachen, bis äusserst anspruchsvollen Routen.

Artur K. Vogel

Hinter den Felsen glitzert das Meer. Davor breitet sich die Macchia wie ein grüner, botanischer Belag über die Landschaft aus.

Darin eingewoben sind im Frühling farbenfrohe Blüten: Rosa oder weiss blühen die Zistrosen, hellgelb der Stechginster, lila der Lavendel, weiss der Arbousier (der wegen der Form seiner Früchte auch Erdbeerbaum genannt wird). Die feinen weissen Blüten der Myrte treten gar zweimal im Jahr auf: im Juni und im September. Und schon im Dezember kann der Rosmarin blühen und seinen Duft verströmen. Die Pflanze, die primär zu den betörenden Gerüchen beiträgt, ist die Immortelle. Ihre gelben Blüten leuchten bis Mitte Juni über die ganze Macchia; einmal getrocknet, duften sie noch nach Jahren.

Die blühende Macchia Korsikas.
Die blühende Macchia Korsikas.

In Küstennähe ist es im Sommer vorbei mit der Blütenpracht: Bei bis zu 40 Grad verdorren die meisten Pflanzen. Aber in höheren Lagen halten sich die Farben fast das ganze Jahr über. Der Herbst ist dann die Zeit der Feigen, Datteln, Mandeln, Kaki. Und dann ist Korsika auch bekannt für seine Kastanien, seine Oliven und seinen Wein.

Auf der «Insel der Schönheit» zählt man mehr als 2000 Pflanzen, von denen 78 ausschliesslich hier vorkommen. Bei einer leichten Wanderung entlang der Nordküste, zwischen den Städtchen Calvi und L’Île Rousse, kann man sie bewundern. Weil es an der Route zudem nicht weniger als 17 Strände gibt, kann man hier Wandern und Baden ideal kombinieren. Ist man müde, nimmt man den kleinen «Train des plages», den Bummelzug, der an fast jedem Ort entlang der 25 Kilometer langen Strecke hält.

Weitere Infos:

Allgemeine touristische Informationen über Korsika: korsika.com, visit-corsica.com/de Weitwanderweg GR 20: le-gr20.fr
Anbieter von Flügen, Wanderferien und Unterkünften: imbach.ch, frantour.ch, rhomberg-reisen.ch. Bei Rhomberg kann das Feriendorf «Zum störrischen Esel» gebucht werden.

Calvi selbst ist einen Besuch wert: ein historisches Städtchen mit gewaltiger Zitadelle, dem Hafen, den Beizen, Bars, Gourmetrestaurants und vielen Läden in der verwinkelten Altstadt. Etwas weiter östlich befindet sich auf einer Halbinsel das Städtchen Saint-Florent, das sich stolz «Korsikas Saint-Tropez» nennt und auch eine Visite verdient.

Basislager bei Calvi

Als Basislager an der Nordküste eignet sich ein Feriendorf bei Calvi, dessen Namen «Zum störrischen Esel» die Korsen nicht aussprechen können, weshalb sie vom «Club alpin autrichien» reden. Das hat mit dessen Geschichte zu tun: Zwei Lehrer und passionierte Bergsteiger aus Feldkirch, Mitglieder des österreichischen Alpenvereins, gründeten vor mehr als sechs Jahrzehnten das Feriendorf, um von hier aus Wanderungen und Bergtouren zu unternehmen. Denn Korsika besitzt zwar tausend Kilometer Küste und zahllose Sandstrände. Doch gibt es auf der Insel auch rund 50 Zweitausender, die höchsten mehr als 2500 Meter hoch, viele steil, zerklüftet und auch für geübte Bergsteiger ziemlich anspruchsvoll.

«Der Herbst ist die Zeit der Feigen, Datteln, Mandeln, Kaki.»

Einer der Pioniere, Kurt Müller, inzwischen 85 Jahre alt, und seine Frau Grete sind heute noch Miteigentümer des «Störrischen Esels». «1959 haben wir hier die ersten Zelte aufgestellt», erzählt Müller bei einem Apéro. Zum bizarren Namen kam das Feriendorf, weil «Gäste in einem Bergdorf einen Esel kauften und als Maskottchen hierherbrachten», erklärt Müller. «Aber er schrie so laut ‘iah, iah, iah!’, dass er die Nachtruhe empfindlich störte. «Deshalb mussten wir ihn zurückgeben.»

Doch der Name blieb. Der «Störrische Esel» ist kein herkömmliches Resort, obwohl man hier auch Tennis, Volleyball und Boules spielen und im Pool planschen kann. Seine inzwischen gut 150 Bungalows, Wohnzelte und Chalets sind simpel; wer hier Ferien macht, will sich sportlich betätigen, will das Leben in der Natur geniessen. Das Feriendorf organisiert geführte Touren: Wandern, Bergsteigen, Velofahren, E-Biking.

Wanderungen ab Corte

Auch die ehemalige Hauptstadt Corte ist ein idealer Ausgangspunkt für Wanderungen. Als einzige der wichtigen Städte Korsikas liegt Corte nicht am Meer, sondern tief im Landesinneren am Zusammenfluss dreier Flüsse, überragt von einer Zitadelle auf einem Felsen. Corte ist seit 1981 wieder Sitz der einzigen korsischen Universität; rund die Hälfte der etwa 6500 Einwohner sind Studierende.

Die ehemalige Hauptstadt Corte eignet sich gut als Ausgangspunkt für Wanderungen.
Die ehemalige Hauptstadt Corte eignet sich gut als Ausgangspunkt für Wanderungen.

Von hier gelangt man zum Beispiel ins wilde Restonica-Tal. Man fährt hinauf zur Bergerie de Grotelle auf 1370 Metern. Zu Fuss erreicht man von dort die Bergseen Lac de Melo und Lac de Capitellu. Rund fünf Stunden müssen für eine Bergwanderung auf den Monte Rotondo (2622 Meter) einkalkuliert werden, von wo die Aussicht spektakulär ist.

Die Lage der Stadt ist dabei speziell. Alle anderen wichtigen Städte schmiegen sich ans Meer. Doch auch in Corte ist das Wasser nicht fern, so liegt die Stadt am Zusammenfluss dreier Flüsse.
Die Lage der Stadt ist dabei speziell. Alle anderen wichtigen Städte schmiegen sich ans Meer. Doch auch in Corte ist das Wasser nicht fern, so liegt die Stadt am Zusammenfluss dreier Flüsse.

Durch das Tavigano-Tal führt keine Strasse. Es erinnert etwas an das Verzasca-Tal im Tessin. Der markierte Hauptwanderweg beginnt hinter der Zitadelle von Corte; das Tal erreicht man in etwa einer Stunde. Am Flussufer finden sich zahllose, in den Stein geschliffene Wannen, die zum Baden laden, und Felsen, von denen Verwegene ins Wasser springen. Eine Wanderung führt in rund fünfeinhalb Stunden zum Refuge de la Sega. Von dort kann man am nächsten Tag hinüber wandern ins Restonica-Tal.

Weitwandern für Hartgesottene

Wer das Wandern wirklich ernsthaft betreibt, für den ist quer durch die Insel ein alpiner Weitwanderweg eingerichtet worden, die «Grande Randonnée 20» (GR20). Er führt über 180 Kilometer von Calenzana im Nordwesten nahe Calvi nach Conca im Südosten und ist in 15 Etappen aufgeteilt. Geübte, schwindelfreie Wanderer – allen anderen wird von der GR20 abgeraten – absolvieren diese in zwei Wochen; Sportliche brauchen zehn Tage, Fanatiker eine Woche. Juni bis Oktober gelten als beste Wanderperiode. Schlafen und sich verpflegen kann man in einfachen Berg- und Alphütten oder im mitgebrachten Zelt. Ein Schlafsack ist de rigueur, ebenfalls sehr gute Sportbekleidung, denn auf den Gipfeln kann auch im Hochsommer Schnee liegen.

Blick auf das 
gewaltige Felsmassiv des Monte Rotondo, den zweithöchsten Gipfel Korsikas.
Blick auf das gewaltige Felsmassiv des Monte Rotondo, den zweithöchsten Gipfel Korsikas. (Adobe Stock)

Der gut markierte Wanderweg führt durch die fast unberührte, gebirgige Landschaft auf bis zu 2400 Meter, grösstenteils im Parc Naturel Régional de Corse. Kletterstellen und schroffe Pässe erfordern Übung und Training. Entschädigt wird man durch eine ungemein vielfältige Natur und die wilde Schönheit der Berge und Täler, Wiesen und Wälder, Bäche und Bergseen, glatten Felsen und groben Granitblöcken.

Das Ziel der GR20, Conca, hat nur etwa 300 Einwohner, jedoch eine ausgebaute touristische Infrastruktur und Anschluss an den öffentlichen Verkehr. Wer sich nach der anstrengenden Tour ein paar Tage Dolcefarniente gönnen möchte, findet im nahe gelegenen Favone einen prächtigen Sandstrand, einige Bars, Restaurants und Ferienunterkünfte, jedoch nicht den Rambazamba anderer Badeorte.

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